Steuerbegriffe verständlich erklärt

Dieser Artikel soll dir vier wichtige steuerrechtliche Begriffe einfach und knapp erklären: den Verlustvortrag, die Werbungskosten, die Sonderausgaben und den Verpflegungsmehraufwand. Diese vier Begriffe zu kennen, kann dir bei der Einkommensteuererklärung bares Geld sparen!

Was ist ein Verlustvortrag?

 

Grundsätzlich werden sowohl Gewinne als auch Verluste bei der Einkommensteuer nur in dem Zeitraum berücksichtigt, in dem auch sie angefallen sind. Es ist jedoch möglich, einen steuerlichen Verlust, der in dem Zeitraum, in dem er angefallen ist, nicht berücksichtigt werden könnte, in spätere Besteuerungszeiträume vorzutragen: Soweit sich bei der Ermittlung der Einkünfte Verluste ergeben, die nicht mit positiven Einkünften im selben Jahr verrechnet werden können oder in das Vorjahr zurückgetragen werden können, werden sie in die nachfolgenden Veranlagungszeiträume vorgetragen (der sogenannte Verlustvortrag).
Durch einen Verlustvortrag mindern sich die zu versteuernden Einkünfte in dem Jahr, in dem der Verlustvortrag „aufgelöst“ wird. Das Finanzamt ist dazu verpflichtet, auf Antrag des Steuerpflichtigen (d.h. durch dessen Abgabe einer Einkommensteuererklärung, in der ein Verlust ausgewiesen wird), einen Verlustvortrag festzustellen und diesen in späteren Veranlagungszeiträumen mit den positiven Einkünften zu verrechnen. Der Verlustvortrag kann zeitlich unbegrenzt genutzt werden, also auch in späteren Jahren, wenn im Folgejahr nach Feststellung des Verlustvortrages noch keine positiven Einkünfte vorliegen.

Was sind Werbungskosten?

 

Als Werbungskosten werden Aufwendungen bezeichnet, die für Erwerb, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen getätigt werden. Typische Beispiele dafür sind die Fahrtkosten, die ein Arbeitnehmer trägt, um zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen, oder Ausgaben für Reparaturen, die ein Vermieter in einem von ihm vermieteten Haus durchführen lässt. Werbungskosten dürfen in der Einkommensteuererklärung von den Einnahmen abgezogen werden. Versteuert werden somit nur die Einkünfte, die die Werbungskosten übersteigen.
Jedoch sind nicht nur solche Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar, die im selben Zeitraum anfallen, in dem auch die steuerpflichtigen Einnahmen zufließen. Erforderlich ist nämlich kein zeitlicher Zusammenhang, sondern ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und den steuerpflichtigen Einkünften. Auch nachträgliche oder vorweggenommene Werbungskosten steuerlich anerkennen zu lassen ist daher möglich.
Nachträgliche Werbungskosten sind solche Kosten, die erst nach Aufgabe der Berufstätigkeit bezahlt werden, aber schon währenddessen entstanden sind. Als vorweggenommene Werbungskosten kommen insbesondere Bewerbungskosten (z.B. für Bewerbungsfotos, Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen usw.) in Betracht. Werbungskosten, die mit steuerfreien Einnahmen wie beispielsweise einem Minijob im Zusammenhang stehen, können nicht berücksichtigt werden.
Jeder Steuerpflichtige erhält eine Werbungskostenpauschale, den sogenannten „Arbeitnehmer-Pauschbetrag“, in Höhe von 1.000 Euro jährlich. Diese Pauschale wird vom Finanzamt automatisch von den Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen, also auch dann, wenn der Steuerpflichtige keine Werbungskosten geltend macht. Sind die Werbungskosten höher als die Werbungskostenpauschale, kann der Steuerpflichtige statt der Pauschale die tatsächlichen Werbungskosten gemacht werden. Diese müssen dann aber einzeln nachgewiesen werden. Die Werbungskostenpauschale wird auch in voller Höhe gewährt, wenn das Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr über bestanden hat.

Was sind Sonderausgaben?

 

Sonderausgaben sind Lebenshaltungskosten, die bei der Einkommensteuer vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden dürfen, weil sie eine unvermeidbare oder förderungswürdige Minderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bewirken. Im Gegensatz zu den Werbungskosten handelt es sich bei Sonderausgaben um Ausgaben des Steuerpflichtigen, die nicht durch eine Einkunftserzielung veranlasst sind. Vielmehr muss es sich bei Sonderausgaben um privat veranlasste Aufwendungen handeln.
Sonderausgaben sind grundsätzlich in dem Kalenderjahr zu berücksichtigen, in dem sie gezahlt worden sind; ein „Sonderausgabenvortrag“ analog zum Verlustvortrag ist nicht möglich. Sofern gar keine Sonderausgaben durch den Steuerpflichtigen geltend gemacht werden, bringt das Finanzamt automatisch den Sonderausgaben-Pauschbetrag in Höhe von 36 Euro zur Anwendung.
Beispiele für häufig vorkommende Sonderausgaben sind:

  • Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehepartner,
  • Altersvorsorgeaufwendungen für eine sogenannte Altersbasisversorgung,
  • sonstige Vorsorgeaufwendungen wie zum Beispiel Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung, zur Arbeitslosenversicherung, zur Unfall- und Haftpflichtversicherungsbeiträge sowie zu
  • Risikoversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen,
  • Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung,
  • Beiträge zur zusätzlichen Altersvorsorge.

Was ist Verpflegungsmehraufwand?

 

Alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit einer Auswärtstätigkeit anfallen, sind als sogenannte Reisekosten als Werbungskosten abzugsfähig. Für die Ausgaben für Verpflegung während der Auswärtstätigkeit können jedoch nur Pauschbeträge geltend gemacht werden; im Gegensatz zu Werbungskosten im Allgemeinen ist es hier nicht möglich, die Verpflegungsausgaben einzeln nachzuweisen und mit dem tatsächlichen Betrag abzusetzen.
Bei Auswärtstätigkeiten im Inland gelten folgende Pauschbeträge für jeden Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer von seiner Wohnung und von seiner Arbeitsstätte abwesend ist:

  • bei einer Abwesenheit von mehr als acht Stunden: 12 Euro;
  • bei einer Abwesenheit von mindestens 24 Stunden: 24 Euro;
  • am Anreise- und am Abreisetag bei einer mehrtägigen Dienstreise und vorhergehender Übernachtung außerhalb der Wohnung: 12 Euro.

 

Bei Auswärtstätigkeiten im Ausland gelten andere Pauschbeträge, die das Bundesfinanzministerium am Anfang eines Jahres bekanntgibt.
Der Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen ist auf die ersten drei Monate des Zeitraums beschränkt, in dem die Tätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte ausgeübt wird. Bei einer Unterbrechung von mindestens vier Wochen beginnt diese Frist erneut.