Viele Studenten denken, für sie lohne es sich ohnehin nicht, eine Steuererklärung abzugeben, weil sie keine oder nur geringe Einkünfte erzielen. Doch auch für Studierende ohne oder mit geringem Einkommen kann sich die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung auszahlen. Dies wird möglich durch den sogenannten Verlustvortrag.

Was ist ein Verlustvortrag?

Grundsätzlich werden Gewinne und Verluste steuerlich nur in dem Zeitraum berücksichtigt, in dem sie angefallen sind (sogenannte Abschnittsbesteuerung). Der Verlustvortrag durchbricht jedoch diesen Grundsatz der Abschnittsbesteuerung, um dem Leistungsfähigkeitsprinzip gerecht zu werden, welches besagt, dass Steuerpflichtige nicht stärker belastet werden dürfen, als ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit es zulässt.
Soweit sich bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte Verluste ergeben, die nicht mit positiven Einkünften im selben Jahr verrechnet werden können oder in das Vorjahr zurückgetragen werden können, werden sie in die folgenden Veranlagungszeiträume vorgetragen (der sogenannte Verlustvortrag). Dieser Verlustvortrag kann zeitlich unbegrenzt genutzt werden, also auch in späteren Jahren, wenn im Folgejahr noch keine positiven Einkünfte vorliegen.
Der Abzug des vorgetragenen Verlustes erfolgt unmittelbar vom Gesamtbetrag der Einkünfte, vorrangig vor Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Der Verlustvortrag nicht ausgeglichener Verluste ist vom Finanzamt zwingend bis zum höchstmöglichen Umfang vorzunehmen; auf den Verlustvortrag kann also nicht verzichtet werden.

Welche Einschränkungen gelten für den Verlustvortrag?

Zwar kann der Verlustvortrag in zeitlicher Hinsicht unbegrenzt genutzt werden. Für die Höhe existieren jedoch Grenzen: 1.000.000 Euro können vollständig abgezogen werden, bis das Einkommen 0 Euro beträgt (der sogenannte Sockelbetrag). Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und tarifliche Freibeträge können in diesem Fall nicht mehr geltend gemacht werden.
Darüber hinaus können 60 % des die Schwelle von 1.000.000 Euro übersteigenden Betrages abgezogen werden. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Sockelbetrag auf 2.000.000 Euro.

Wie können Studenten vom Verlustvortrag profitieren?

Studenten, deren Studium steuerlich als Zweitausbildung betrachtet wird, dürfen ihre Ausgaben für das Studium in unbegrenzter Höhe in der Einkommensteuererklärung bei den Werbungskosten angeben. Als Zweitausbildung wird ein Masterstudium nach abgeschlossenem Bachelorstudium oder ein (grundständiges) Studium nach bereits abgeschlossener Berufsausbildung gewertet.
Doch häufig sind die Ausgaben während des Studiums höher als die Einkünfte, weil der Student kein oder nur wenig eigenes Geld verdient. In diesen Fällen sollten die Beträge, um die die Ausgaben die Einkünfte übersteigen, in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Auf diese Weise wird der entstehende Verlust vom Finanzamt festgestellt und kann mit zukünftigen Einkünften, z.B. nach Abschluss des Studiums, verrechnet werden. So werden besonders Berufsanfänger im ersten Job nach dem Studium entlastet.
Auch für Studenten in dualen Studiengängen lohnt sich der Verlustvortrag: Zwar sind sie Auszubildenden gleichgestellt und erzielen somit steuerpflichtige Einkünfte. Sie können daher ihre Studienkosten in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten absetzen. Allerdings ist die Ausbildungsvergütung häufig geringer als die Ausgaben für die Ausbildung.
Die Kosten für ein grundständiges Studium als Erstausbildung (Bachelor) werden der privaten Lebensführung zugeordnet und können daher bislang nicht als Verlustvortrag in spätere Zeiträume übertragen werden. Jedoch sind zur Frage, ob dies verfassungskonform ist, mehrere Verfahren beim Bundesverfassungsgericht anhängig, sodass sich hier in absehbarer Zeit Änderungen zugunsten der Studenten ergeben könnten.